Botschaft der deutschen Eingeborenen an die Veteranen und Kriegskinder des Großen Vaterländischen Krieges

Ihr habt Eure Worte an uns gerichtet und wir wollen Euch in diesen schrecklichen Tagen der Verzweiflung antworten, in denen wir weinen und mit über den Köpfen zusammengeschlagenen Händen schreien könnten, weil wir sehen, wie sich die Geschichte wiederholt und Ihr nach Deutschland schaut und Euch sicher seid, dass wir Euch vergessen haben.

Wir haben Euch nicht vergessen!

Aber weder Ihr noch die Welt könnt uns hören, weil wir viel zu leise für diesen Lärm sind, wo sich nur noch brüllende Claquere und ausgekochte Schreihälse Gehör verschaffen und wir uns eingestehen müssen, dass wir nicht an Zahl und Stärke ausreichen, um immerhin noch als ein Tropfen auf einem heißen Stein wahrgenommen werden zu können.

Der dort ruhig über die Straße geht
Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde
Die in Not sind?

Bertholt Brecht – An die Nachgeborenen

Wir sind jene Deutsche, die mit Schwertern nichts mehr ausrichten können. Wir sind die entwaffneten Feindkräfte, die Ihr besiegt habt. Jener verbleibende Rest, der den Wölfen zum Fraß überlassen ist.

Es sind nicht mehr viele, die der Niedertracht und Lüge entgegenstehen und nicht wie die Tabaquies, dem Tiger, der Schlange, dem Faschisten ins Verderben folgen wollen. Aber auch dieses Häufchen wird bald verstummt und verschwunden sein und dabei wissen wir doch alle, dass die gesamte Menschheit begreifen muss, dass nur mit Ehrlichkeit, Demut, Achtung, Glauben und Nächstenliebe der Faschismus überwunden werden kann und es nicht hilft, eine Kultur nach der anderen zu vernichten, nur damit man selbst nicht mehr den Spiegel vorgehalten bekommen kann.

Scheinbar ist es möglich, dass der Mensch immer wieder verführt werden kann und das Böse sein ständiger Begleiter ist und bleibt. Die Verführungen, Lügen und Täuschungen die ihm tagtäglich eingeflüstert werden, bis er den letzten Glauben an Anstand, Aufrichtigkeit, Treue und Liebe verloren hat, seinem Nächsten nicht mehr über den Weg traut, scheinen in diesen Tagen auf die Spitze getrieben zu werden.

Wir rufen Euch mit dieser Botschaft zu, dass wir nicht diese Unmenschen sind, die Ihr hier zu finden meint. Jene, die Nazis in der Ukraine und in aller Welt unterstützen, um Euch zu vernichten. Wie dumm und töricht dies doch wäre und gliche auch dies einem Brudermord. Aber es geschieht ja genau in dieser Weise in unserem Namen und Ihr seht es und seid befremdet.

Aber wer sind wir schon, wir Deutschen. Wir sind Fremdlinge im eigenen Land, zersetzt, gespalten, bis ins Mark gedemütigt und physisch, geistig, moralisch und psychisch bereits ausgerottet. Auch wenn wir die Politik, die in unserem Namen Gräueltaten verübt und unterstützt, verabscheuen, was können wir mit unseren Rufen und unserem Bekenntnis bewirken? Es wird überlagert von lautem Gebrüll einer aus allen Ländern zusammengeprügelten heimatlosen Bevölkerung, die selbst nicht weiß, was ihnen gerade geschieht. Gequält und gejagt von einer Herrscherclique, die kein anderes Ziel verfolgt, als den letzten Funken einer Kulturnation aus den Seelen und dem Land zu treiben und zu vernichten.

Nötig wäre eine gemeinsame und ständige Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, um einen klaren und aufrichtigen Blick zueinander bewahren zu können.

Aber was ist das alles, wenn uns bereits seit der Vertreibung aus dem Paradies die Wahrheit, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit ausgetrieben wurde und sich Stück für Stück jedes Volk mit dem Gift der Lüge, Gier und Täuschung durchsetzen ließ.

Wenn die Veteranen und Kriegskinder des Großen Vaterländischen Krieges uns daran erinnern, welches Übel von unserer Heimat ausgegangen ist, dann können wir nur in tiefer Demut zurückblicken und unsere aufrichtigste Dankbarkeit entgegenbringen, aber wir müssen uns auch ehrlich und offen anblicken und die Feststellung machen, dass der Faschismus 1945 nicht besiegt und überwunden wurde und die Gier der Faschisten grenzenlos ist und sich bereits auf große Teile der Welt ausgedehnt zu haben scheint.

Was können wir tun, wenn die Welt auf dem Kopf steht, keiner mehr dem anderen zuhört und vertraut, weil es zu laut, zu hektisch und zu chaotisch zugeht?

Walter Benjamin beschrieb 1940 die Gegenwart sehr eindrücklich anhand eines Engelbildes von Paul Klee:

Angelus Novus von Paul Klee (1920)

Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.

– Walter Benjamin: Über den Begriff der Geschichte (1940), These IX

Der Engel schaut zurück und wird vom Sturm in die Zukunft getrieben. Es ist vorstellbar, dass sich auch heute viele Menschen wie dieser Engel, wie Getriebene fühlen. Vielleicht sind es jene Menschen und Eingeborene, die sich noch vorstellen können, wie wir doch alle gemeinsam im Paradies leben könnten und eben diesen Ursprung und diese Möglichkeit immer noch in sich tragen – unabhängig ihres Glaubens, ihrer Nation und Zugehörigkeit.

Zurückschauen möchte heute in Deutschland tatsächlich kaum jemand, das stimmt. Man gibt sich lieber dem Hass gegen Russland hin, heuchelt Nächstenliebe und Solidarität. Vergisst alles, was hier von diesem Boden ausging und glaubt, das Richtige zu tun.

Jene Wenigen, die noch da sind und ihre Stimme erheben und NEIN sagen, werden kaum noch gehört. Ja, es ist in diesen Tagen sehr laut, hektisch, durcheinander, chaotisch, brutal, hässlich, erschreckend und geradezu beängstigend und wir sehen und sahen, was in der Ukraine geschieht und geschah und sehen auch, was auf uns zukommt, wenn Russland diese Bandera-Anhänger und Faschisten nicht vollends besiegt und jene, die noch übrig bleiben, bestraft und hinter Schloß und Riegel bringt.

Das Böse kennt keine Grenzen. Es ist maßlos und kommt in erschreckender Weise auf uns zu.

Denn nach Eurem Sieg über Hitler-Deutschland und das Dritte Reich schien es nur, als sei die Ideologie des Nationalsozialismus und Faschismus besiegt, im Kern blieb er am Leben, hat sich erholt und zeigt sich jetzt in seiner vollkommenen Gestalt. Wir müssen es alle erkennen, dass der Sieg kein endgültiger Sieg gewesen ist und was Ihr heute noch aus Deutschland hört, hat mit dem Deutschland, das Ihr besiegt und freigelassen habt, nicht mehr viel zu tun. Ihr seht und hört eine zusammengewürfelte und durch Kriege zusammengeprügelte Bevölkerung, aber kein deutsches Volk, das Ihr angesprochen habt, über das Ihr Euch wundert, das ihr aus gutem Grund nicht verstehen könnt.

Wir sind aber weder eine geeinte Nation, noch leben wir in einem Staat. Wir Deutschen werden seit 1949 in der BRD von einem Provisorium verwaltet, das mit 50.000 Schergen des nationalsozialistischen Systems gegründet wurde. Wo Firmen des IG-Farben-Komplexes wieder ihre Geschäfte machen durften und immer noch dürfen. Mit dieser Brut wurden die Reste des deutschen Volkes ab 1990 alleine gelassen und so können wir sehen, wie die Prophezeiungenf eines Sefton Delmer genau aufgegangen sind, die für das Schicksal der Deutschen vorgesehen waren. Er sagte 1945:

Wir haben diesen Krieg durch Gräuelpropaganda gewonnen und wir fangen jetzt erst richtig damit an. Wir werden diese Gräuelpropaganda fortführen, wir werden sie steigern bis niemand mehr ein gutes Wort von den Deutschen annehmen wird, bis alles zerstört ist, was ihnen Sympathien in anderen Ländern entgegenbringen könnte und bis sie derart verwirrt sind, dass sie nicht mehr wissen, was sie tun sollen. Wenn dies erreicht ist, wenn sie anfangen ihr eigenes Nest zu beschmutzen, und zwar nicht widerstrebend sondern mit Übereifer den Siegern gehorchend, nur dann ist der Sieg vollkommen. Es wird niemals endgültig sein. Die Umerziehung bedarf gewissenhafter, unentwegter Pflege wie ein Englischer Rasen. Nur ein Moment der Unachtsamtkeit und das Unkraut bricht durch, dieses unausrottbare Unkraut der geschichtlichen Wahrheit.

Sefton Delmer 1945 zu dem deutschen Völkerrechtler Prof. Grimm

Nun können es alle sehen, wie in der Ukraine der schlimmste Neonazimsus und Faschismus mit westlicher Unterstützung wütet, übertüncht mit schöngefärbter und verfälschter Propaganda. Wir sehen, wie es möglich ist, den Verstand ganzer Nationen zu deformieren und den Hass auf Russland zu schüren, nur weil Ihr für Euer geliebtes Vaterland und die Freiheit kämpft und steht.

Unser geschlagenes und gespaltenes Volk kann sich gegen solche Gewalten aber nicht mehr zur Wehr setzen, so wir uns auch gegen diese Politik und gegen diese verblendete Bevölkerung nicht mehr wehren können.

Der letzte Rest von aufrichtigen Christen, Moslems, Juden, Deutschen, Russen, Palestinenser, Italiener, Serben, Griechen, Syrer, Afghanen und die vielen Menschen, die man hierher getrieben hat, die nur den Frieden wollen und mit Euch gegen den Faschismus stehen, werden aus Deutschland schon bald verschwunden und aus dem Weg geräumt sein – ohne Vergebung und ohne Frieden.

Dann wird es tatsächlich nur noch jene Deutschen geben, die weggucken, wenn Naziflaggen gehisst und wehrlosen,vergewaltigten und erschlagenen Frauen Hakenkreuze in die Haut gebrannt werden, Christen an Kreuze genagelt und Russen diskriminiert, verprügelt und zur Abschlachtung freigegeben, Hitler und Bandera als Helden gefeiert werden, die Kultur vernichtet und die Geschichte bis zur Unkenntlichkeit verstellt wird.

Die Widerstandsbewegung Weiße Rose um Hans und Sophie Scholl richtete 1943 an die Deutschen Worte, die auch huete ihre Aktualität nich tverloren haben:

Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique „regieren“ zu lassen. Ist es nicht so, daß sich jeder ehrliche Deutsche heute seiner Regierung schämt, und wer von uns ahnt das Ausmaß der Schmach, die über uns und unsere Kinder kommen wird, wenn einst der Schleier von unseren Augen gefallen ist und die grauenvollsten und jegliches Maß unendlich überschreitenden Verbrechen ans Tageslicht treten? Wenn das deutsche Volk schon so in seinem tiefsten Wesen korrumpiert und zerfallen ist, daß es, ohne eine Hand zu regen, im leichtsinnigen Vertrauen auf eine fragwürdige Gesetzmäßigkeit der Geschichte das Höchste, das ein Mensch besitzt und das ihn über jede andere Kreatur erhöht, nämlich den freien Willen, preisgibt, die Freiheit des Menschen preisgibt, selbst mit einzugreifen in das Rad der Geschichte und es seiner vernünftigen Entscheidung unterzuordnen – wenn die Deutschen, so jeder Individualität bar, schon so sehr zur geistlosen und feigen Masse geworden sind, dann, ja dann verdienen sie den Untergang.

Goethe spricht von den Deutschen als einem tragischen Volke, gleich dem der Juden und Griechen, aber heute hat es eher den Anschein, als sei es eine seichte, willenlose Herde von Mitläufern, denen das Mark aus dem Innersten gesogen und die nun ihres Kerns beraubt, bereit sind, sich in den Untergang hetzen zu lassen. Es scheint so – aber es ist nicht so; vielmehr hat man in langsamer, trügerischer, systematischer Vergewaltigung jeden einzelnen in ein geistiges Gefängnis gesteckt, und erst als er darin gefesselt lag, wurde er sich des Verhängnisses bewußt. Wenige nur erkannten das drohende Verderben, und der Lohn für ihr heroisches Mahnen war der Tod. Über das Schicksal dieser Menschen wird noch zu reden sein.

Wenn jeder wartet, bis der andere anfängt, werden die Boten der rächenden Nemesis unaufhaltsam näher und näher rücken, dann wird auch das letzte Opfer sinnlos in den Rachen des unersättlichen Dämons geworfen sein. Daher muß jeder einzelne seiner Verantwortung als Mitglied der christlichen und abendländischen Kultur bewußt in dieser letzten Stunde sich wehren, soviel er kann, arbeiten wider die Geißel der Menschheit, wider den Faschismus und jedes ihm ähnliche System des absoluten Staates. Leistet passiven Widerstand – Widerstand -, wo immer Ihr auch seid, verhindert das Weiterlaufen dieser atheistischen Kriegsmaschine, ehe es zu spät ist, ehe die letzten Städte ein Trümmerhaufen sind, gleich Köln, und ehe die letzte Jugend des Volkes irgendwo für die Hybris eines Untermenschen verblutet ist. Vergeßt nicht, daß ein jedes Volk diejenige Regierung verdient, die es erträgt!

I. Flugblatt der Weißen Rose 1943

Wir haben uns alle geirrt und wenn es so weitergeht, wird es ganz gewiss kein zweites Nürnberg geben, keine Ordnung und Gerechtigkeit hergestellt werden und die Menschheit wird in der Barbarei und in Schutt und Asche versinken.

Wir sagen NEIN und wissen was passiert, wenn wir nicht NEIN sagen… Wir träumen mit Euch den Traum eines lächerlichen Menschen, vom Paradies, von der Nächstenliebe und wir nehmen die uns noch zur Verfügungen stehenden Waffen und rufen euch zu:

Wir wollen das nicht, was in unserem Namen hier geschieht und wir wissen, dass wir in dieser Herzenskälte erfrieren werden, wenn uns nicht ein Bär oder ein Wassilij Andrejewitsch Brechunov errettet.

Aber der Faschismus wird besiegt!

In tiefer Dankbarkeit und Demut Eure

Deutschen Eingeborenen und Mitbürger

An die Nachgeborenen

Bertholt Brecht

1

Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!

Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende
Hat die furchtbare Nachricht
Nur noch nicht empfangen.

Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!
Der dort ruhig über die Straße geht
Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde
Die in Not sind?

Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt
Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts
Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich satt zu essen.
Zufällig bin ich verschont. (Wenn mein Glück aussetzt
Bin ich verloren.)

Man sagt mir: iß und trink du! Sei froh, daß du hast!
Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
Ich es dem Hungernden entreiße, was ich esse, und
Mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt?
Und doch esse und trinke ich.

Ich wäre gerne auch weise
In den alten Büchern steht, was weise ist:
Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
Ohne Furcht verbringen
Auch ohne Gewalt auskommen
Böses mit Gutem vergelten
Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen
Gilt für weise.
Alles das kann ich nicht:
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!


                                   2

In die Städte kam ich zu der Zeit der Unordnung
Als da Hunger herrschte.
Unter die Menschen kam ich zu der Zeit des Aufruhrs
Und ich empörte mich mit ihnen.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

Mein Essen aß ich zwischen den Schlachten
Schlafen legt ich mich unter die Mörder
Der Liebe pflegte ich achtlos
Und die Natur sah ich ohne Geduld.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

Die Straßen führten in den Sumpf zu meiner Zeit
Die Sprache verriet mich dem Schlächter
Ich vermochte nur wenig. Aber die Herrschenden
Saßen ohne mich sicherer, das hoffte ich.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

Die Kräfte waren gering. Das Ziel
Lag in großer Ferne
Es war deutlich sichtbar, wenn auch für mich
Kaum zu erreichen.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.


                             3

Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut
In der wir untergegangen sind
Gedenkt
Wenn ihr von unseren Schwächen sprecht
Auch der finsteren Zeit
Der ihr entronnen seid.

Gingen wir doch, öfter als die Schuhe die Länder wechselnd
Durch die Kriege der Klassen, verzweifelt
Wenn da nur Unrecht war und keine Empörung.

Dabei wissen wir ja:
Auch der Haß gegen die Niedrigkeit
Verzerrt die Züge.
Auch der Zorn über das Unrecht
Macht die Stimme heiser. Ach, wir
Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
Konnten selber nicht freundlich sein.

Ihr aber, wenn es soweit sein wird
Daß der Mensch dem Menschen ein Helfer ist
Gedenkt unsrer
Mit Nachsicht.

Aus Goethes „Des Epimenides Erwachen“, zweiter Aufzug, vierter Auftritt:

Genien:

Doch was dem Abgrund kühn entstiegen,
Kann durch ein ehernes Geschick
Den halben Weltkreis übersiegen,
Zum Abgrund muß es doch zurück.
Schon droht ein ungeheures Bangen,
Vergebens wird er widerstehn!
Und alle, die noch an ihm hangen,
Sie müssen mit zu Grunde gehn.

Hoffnung:

Nun begegn‘ ich meinen Braven,
Die sich in der Nacht versammelt,
Um zu schweigen, nicht zu schlafen,
Und das schöne Wort der Freiheit
Wird gelispelt und gestammelt,
Bis in ungewohnter Neuheit
Wir an unsrer Tempel Stufen
Wieder neu entzückt es rufen:
(Mit Überzeugung, laut:)
Freiheit!
(gemässigter:)
Freiheit!
(von allen Seiten und Enden Echo:)
Freiheit!

Священная война

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