Leben und Sterben im Donbas

Seit fast acht Jahren verbreiten (west-)deutsche Massenmedien und Politiker die Legende von den guten „friedlichen“ Demonstranten auf dem Maidan, von der angeblichen „Annexion“ der Krim und „von Russland kontrollierten Separatisten“, die in der Ostukraine Gebiete besetzt haben sollen. Seit einigen Wochen und Monaten wird nun auch noch der Teufel eines unmittelbar bevorstehenden Einmarsches Russlands in die Ukraine an die Wand gemalt. Ob diese einseitige Darstellung der Realität entspricht und was die „Gegenseite“ im Donbass darüber denkt, das bleibt im massenmedialen Dunklen verborgen. Nach Donezk oder Lugansk verirrt sich schon seit Jahren kein regierender westlicher Politiker, geschweige denn ein westlicher „Qualitätsjournalist“.

Ende Dezember 2021 ist deshalb Wilhelm Domke-Schulz in der Donezker Volksrepublik gereist, um zu erfahren, wie die Sicht die Menschen dort auf die Ereignisse seit 2014 ist, wie ihrer Meinung nach, der bewaffnete Konflikt entstand, wer die eigentlichen Kontrahenten und die Leidtragenden sind. Im Ergebnis seiner Reise entsteht zurzeit sein Dokumentarfilm „Leben und Sterben im Donbass“.

Im Anschluss an den Trailer zum Film geht es im Gespräch, neben dem aktuellen Filmprojekt, um die Frage was der Konflikt im Osten der Ukraine mit den seit Jahrzehnten schwelenden Kontroversen zwischen Ost und West in Deutschland zu tun hat, welche Rolle die deutschen Massenmedien spielen und warum und für wen Wilhelm Domke-Schulz seinen ostdeutschen Schelmenroman „Werners wundersame Reise durch die DDR“ geschrieben hat. Zur Person: Wilhelm Domke-Schulz studierte Dramaturgie an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg.

Er arbeitete zunächst als freier Dramaturg für Spiel- und Dokumentarfilm in Berlin, Potsdam und Leipzig. 1991 machte er sich als Produzent selbstständig und ist seither domke-schulz-film. Zugleich ist er als Hochschuldozent für Medienwissenschaft tätig. Domke-Schulz produzierte bisher über siebzig Filme in Eigenregie, vor allem Reportagen und Geschichtsdokumentationen für den öffentlich- rechtlichen Rundfunk sowie künstlerische Dokumentarfilme wie etwa „Life at a Standstill: A Middle East Diary“ (preisgekrönt in Chicago 2003), „Krimreise“ (ausgezeichnet 2018 in St. Petersburg) oder „Remember Odessa“ (Preisträger 2020 in Kalkutta und 2021 in Moskau). „Werners wundersame Reise durch die DDR“ ist sein Debütroman.